
Wir kamen heraus, alle Farben, alle Rassen, und wir sagten: ‚Wir können es besser.‘– Misan Harriman

Aufnahmen der Festnahme von George Floyd, der bei einer Polizeikontrolle stirbt, rasen in Minuten über soziale Netzwerke. Schneller als die Presse reagieren kann, schneller als jede politische Reaktion, stehen Menschen empört, ungläubig und wütend auf der Straße. Erst in Minneapolis, dann in den ganzen USA. Unter ihnen: Black Lives Matter. Die Bewegung existiert zwar längst, doch weil die aktuellen Bilder einen Siedepunkt markieren, an dem Schweigen für so viele nicht mehr möglich ist, schließt sich die Welt unter ihrem Dach zusammen.




Misan Harriman fotografiert die BLM-Proteste 2020 in London unmittelbar aus der Menge heraus. Dabei entstehen besonders eindringliche Porträts: Menschen, die ihn ansehen weil sie gesehen werden wollen. Seine sensible und gleichzeitig ausdrucksstarke Bildsprache gewinnt auch nach den Protesten weiter an Resonanz. So gestaltet er kurz darauf ein bedeutendes Cover für die britische Vogue, als erste Person of Color überhaupt.
Vier Jahrzehnte Leica Oskar Barnack Award – vierzig Jahre Fotografie, die berührt, bezeugt und bewegt. Seit 1980 steht der LOBA für herausragende Bildserien, die das Zusammenspiel von Mensch und Umwelt reflektieren. Zum Jubiläum stehen hier Karin Rehn-Kaufmann und die aktuellen Preisträger gemeinsam auf der Bühne – als kollektives Symbol für Kontinuität, Vision und die Kraft der Fotografie, Grenzen zu überschreiten und Generationen zu verbinden.


Luca Locatelli
In Future Studies zeigt Luca Locatelli Orte, an denen unsere Zukunft gestaltet wird – Forschungsstätten, Biolabore, Recyclinganlagen. Seine klaren, fast surrealen Kompositionen erzählen von Fortschritt und Verantwortung, von der Suche nach Balance zwischen Technologie und Natur. Eine visuelle Studie über Nachhaltigkeit und die Ästhetik des Wandels.
Die SL2-S ergänzt das SL-System um eine Vollformatkamera für volle Agilität und Ausdrucksstärke. Mit 24 MP CMOS-Sensor, bis zu 25 B/s und professionellen Videofunktionen richtet sie sich an Fotografen und Filmemacher, die Geschwindigkeit, Präzision und kreative Freiheit vereint sehen möchten.
Gerade als die bereits strapazierte Gesellschaft dringend mehr Nähe nötig hätte, nimmt ihr die Corona-Pandemie genau diese: Abstand wird zur Pflicht, Gesichter verschwinden hinter Masken, das Zuhause ersetzt den öffentlichen Raum und wird gleichzeitig zum Versteck. Menschen müssen lernen, sozialen Kontakt gänzlich neu auszuhandeln – zwischen Vorsicht, Aufopferung, Misstrauen, Bedürfnis, Zerrissenheit und neuen Formen von Gemeinschaft. Die folgenden Serien zeigen die Pandemie fotografisch in all ihren Facetten.

Die Stadt wird für Phil Penman zur Kulisse einer ausgebremsten Welt: leerer Times Square, Straßen, die auf das Leben warten und Menschen, mitten im Abstand.

Und plötzlich werden Blicke laut: Bruce Gilden dokumentiert die Pandemie mittels skurriler Einzelporträts wie man sie von ihm kennt – nur eben als Maskenedition.

Ein Berlin, das im Ausnahmezustand gefangen ist: Julia Baier dokumentiert die Isolation und ihre absurden Konsequenzen.

Über Monate unaufhörlicher Belastung hinweg begleitet Cédric Gerbehaye Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte. Und zeigt, wo die Grenzen zwischen Verantwortung und Erschöpfung verlaufen.

Mit einfühlsamem Humor und distanzierter Leichtigkeit fängt Craig Semetko die Poesie in der Leere ein.

Peter Turnley dokumentiert menschliche Begegnungen im Schatten der Pandemie und erinnert daran, wie sehr Ausnahmezustände das Alltägliche herausfordern.
Ein Bond-Film mit gewaltiger Erwartungshaltung: Billie Eilish liefert den Titelsong, ein globales Publikum ist längst bereit, doch der Kinostart verschiebt sich durch die Pandemie immer wieder. Umso bemerkenswerter wirken die Behind-the-Scenes-Bilder von Greg Williams, Nicola Dove und Daniel Craig, der selbst zur Kamera greift: keine Distanz, dafür Menschen in ihrem Element, Seite an Seite, inmitten einer riesigen Produktion. Zwischen Takes, Maskenbild und Probe entsteht dabei eine seltene Sicht auf die James Bond Welt – nicht als Mythos, sondern als Teamwork.




Ich betrachte mich nie als jemanden, der Prominente fotografiert – ich fotografiere Künstler.– Greg Williams




Anfang der 2020er tauchen immer mehr sogenannte Influencer auf. Sie produzieren Content mitten im öffentlichen Alltag: Tänze auf Gehwegen, geplante Spontanität, Beauty- oder gleich Lebenstipps und selbst der Naked Cowboy als New Yorker Sehenswürdigkeit, alles geht online. Fotografie wird zunehmend Teil von einem Zeitgeist, in dem das echte Leben nur stattzufinden scheint, wenn es hochgeladen wird. So entsteht in aller Öffentlichkeit eine perfekte scheinende Parallel-Wirklichkeit, die immensen Einfluss auf das Selbstbild ganzer Generationen und Milliarden von Menschen hat.
