2012

Leica M Monochrom

Stil–Leben

Die Leica M Monochrom wird die erste digitale Messsucherkamera, die ausschließlich in Schwarzweiß sieht und denken lässt. Ihr Sensor zeichnet Licht pur und direkt auf, ohne Farbfilter. So entsteht höchste Tonwerttiefe, Klarheit und ästhetische Präzision. Ein radikaler Schritt zurück: zur Essenz des Bildes.

Atmosphärisches Schwarz-Weiß-Bild: Eine einzelne Person läuft über eine diagonal beleuchtete Fläche aus hellen Linien, die sich durch eine riesige dunkle Halle ziehen, während eine weitere Person neben den Lichtlinien steht.
Grenzen, die befreien 2017, Alan Schaller
© Alan Schaller

Aus dem Schatten


Mit der M Monochrom inszeniert Alan Schaller ein faszinierendes Zusammenspiel von Licht, Raum und Mensch. Seine dramatischen Kontraste schaffen architektonische Bühnen, auf denen einzelne Figuren erscheinen – klein, aber präzise gesetzt. So wird das Monochrome zum Symbol existenzieller Präsenz.


Melancholisches Schwarz-Weiß-Porträt: Ein junger Mann blickt durch eine im unruhigen Linienmuster verschmutzte Fensterscheibe eines Busses direkt in die Kamera.
Ankünfte und Abfahrten: Zug von Moskau nach Peking 2012, Jacob Aue Sobol
© Jacob Aue Sobol

Raue Sensibilität


Jacob Aue Sobol erkundet mit seiner Leica M Monochrom die Ränder des Lebens – Orte von Kälte, Einsamkeit und plötzlicher Nähe. Seine Bilder sind rau, von Körnung und Schatten gezeichnet, doch durchzogen von einer tiefen Menschlichkeit. Sie zeigen, dass Verletzlichkeit und Stärke oft denselben Ausdruck haben.


Schwarz-Weiß-Porträt von Barbara Klemm die mit Blazer und verschränkten Armen in die Kamera lächelt.
© Gustav Eckart
Schwarzweiß ist Farbe genug.
Barbara Klemm

Ungewisse Schönheit

Mitte der 2010er werden bisherige Schönheitsideale immer stärker in Frage gestellt. Bruce Gilden präsentiert Gesichter jenseits makelloser Oberflächen, Marc Erwin Babej inszeniert chirurgische Perfektion als Maskenspiel und Rankin variiert das Thema zwischen Hyper-Inszenierung, Verzerrung und Überzeichnung. Indirekt stellen sie alle dieselbe Frage: Wer Schönheit eigentlich definiert?

Der vom Leben gezeichnete Blick einer Frau mit blond gefärbten Haaren, rosa Lidschatten und einem brennenden Zigarettenstummel im Mund schaut mit starrem Ausdruck direkt in die Kamera, ihr Gesicht vom Blitz scharf akzentuiert.
Chris, Arbeiter auf dem Volksfest in Milwaukee, Wisconsin 2013, Bruce Gilden
© Bruce Gilden / Magnum Photos

Superreal


Bruce Gilden präsentiert Gesichter – nah, intensiv, voller Leben und von selbigem gezeichnet. Seine Porträts offenbaren Charakter statt Oberfläche und fordern heraus, Schönheit jenseits von Perfektion zu sehen.


Schwarz-Weiß-Porträt: Kopf und entblößte Schultern einer hübschen Frau, die mit ihren Händen ganz zart ihre voluminösen schwarzen Locken hält, schaut mit leicht geöffnetem Mund in die Kamera, das Studio­licht hebt diverse chirurgische Markierungen im Nasen-, Lippen- und Oberlippen- sowie im Stirnbereich hervor.
Mask of Perfection 2013, Marc Erwin Babej
© Marc Erwin Babej

Maskierung


Marc Erwin Babej lässt einen Schönheitschirurgen ästhetische Gesichter „verbessern“ – mit Markierungen, die häufig angefragte Eingriffe simulieren. Mask of Perfection zeigt eigentlich makellose Menschen voller Korrekturen – und entlarvt so die Absurdität von Schönheitsidealen.


Kontrastreiches, kollageartiges Schwarz-Weiß-Bild: Eine seitlich liegende Frau die wie bei einem Negativbild Schwarz wirkt, mit langem Haar, das horizontal in die Länge gezogen ist, streckt einen Arm lehnt auf den Ellenbogen in einem modischen Kleid.
Antithesis, S Magazine 2012, Rankin
© Rankin

Gegensätze


In Antithesis treibt Rankin Sehgewohnheiten an ihre Grenzen: Gesichter und Körper wirken wie aus einer anderen Welt – makellos, verzerrt, futuristisch. Seine Bilder sind zugleich verstörend und faszinierend, ein spannendes Spiel mit Perfektion und Ästhetik.


Derweil in Indien

In turbulenten Zeiten, zwischen Protest und Perfektion, findet Craig Semetko im wuseligen Indien etwas zunächst völlig Unwahrscheinliches: Ruhe. Ein leiser Atemzug, leicht geschlossene Augen und die Poesie des Spontanen – es ist das stille Einvernehmen mit dem Moment, das diese Aufnahmen so beruhigend macht. Eine Wirkung, die bei genauerem Hinsehen sogar sehr wahrscheinlich erscheint: wenn ein solch ruhiger Blick wie Craig Semetkos auf ein Land trifft, in dem Meditation und Achtsamkeitslehre ihren Ursprung haben.









Schwarz-Weiß-Bild: Ein großer, rundlicher Felsblock ruht schräg auf einer Felsfläche im Freien, während ein verhältnismäßig kleiner Mensch davor in seinem Schatten liegt und schläft.
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