2010

Stille Demonstration

Ein einzelner Polarforscher zieht auf Skiern einen voll beladenen Schlitten über zerklüftete, von hohen Eisformationen geprägte Schneefelder in der Arktis unter einem klaren, kühlen Himmel.
Eine wissenschaftliche Expedition von Kanada zum Nordpol 2010, Martin Hartley





2010 begibt sich Martin Hartley auf eine 777 Kilometer lange Reise zum Nordpol, um die Auswirkungen des Klimawandels zu dokumentieren. Wo digitale Kameras, wie die meisten Menschen, schon aufgegeben hätten, trotzen Hartley und seine rein mechanische MP der Kälte auch bei minus 45 Grad. Eine Demonstration von Ausdauer und Beständigkeit – und gleichzeitig eine Demonstration gegen die stille Vergänglichkeit. Denn eine Polarexpedition wie diese wäre heute aufgrund der fortschreitenden Eisschmelze im arktischen Meer kaum mehr möglich.




Ein Polarforscher kniet am Schlitten und sichert die Zugleine, während ein weiterer über den spiegelglatten, vom sanften Polarlicht gefärbten Eisboden der Arktis vorausschreitet.
Eine wissenschaftliche Expedition von Kanada zum Nordpol 2010, Martin Hartley
Zwei Polarforscher bewegen sich mit Schlitten durch eine weite, gefrorene arktische Landschaft, dominiert von monumentalen, vom tief stehenden Licht modellierten Eisblöcken.
Eine wissenschaftliche Expedition von Kanada zum Nordpol 2010, Martin Hartley








Draufsicht auf eine weiße Schneefläche

Renaissance der Straßenproteste

Die 2010er Jahre erinnern aufgrund der vielen weltweiten Proteste an die Demonstrationen der 1960er und 70er Jahre. Die Probleme und Beweggründe ähneln sich sogar, sind aber noch diverser und globaler als in den früheren Jahrzehnten. Bemerkenswert ist: während die Gesellschaft zunehmend am heimischen Bildschirm der Realität entflieht, bleibt die Straße die unumstrittene Plattform für kollektiven Protest und Positionierung gegenüber der Welt. Also der Ort, wo sowohl Missstände als auch Vielfalt am schnellsten sichtbar werden.

Eine große Menschenmenge demonstriert nachts in Libyen, hebt Schilder und Fahnen in die Höhe und drängt sich dicht aneinander, während vereinzelte Personen auf erhöhten Positionen stehen und rufen.
Das libysche Drama 2011, Moises Saman
© Moises Saman

Arabischer Frühling


Von Tunesien über Ägypten und Libyen bis nach Syrien: Der Arabische Frühling wird zum internationalen Aufbegehren – getragen von jungen Stimmen, sozialen Medien und dem Glauben an Veränderung. Moises Saman dokumentiert die Bewegung bereits, als noch die letzten verzweifelten Inszenierungen der Gaddafi-Regierung in Libyen stattfinden. Philipp Spalek nimmt später Kairo in den Blick.


Eine Person in gelben Regenmantel und mit roter Hose hält einen gelben Sonnenschirm mit AKW NEE Aufschrift und lachender roter Sonne auf einem matschigen Protestgelände.
Dannenberg/Gorleben, Demonstration gegen 
Castortransport 2010, Michael Jungblut
© Michael Jungblut

Atomkraft? Nein Danke!


Das Symbol in dieser Dokumentation der deutschen Proteste gegen Atommülltransporte, steht schon lange für den umweltbewussten, zivilen Widerstand in Europa. Mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 erhalten dann auch die Bilder von Michael Jungblut selbst weltweite Symbolkraft – als bestätigte Warnung vor den Risiken der Atomenergie.


Schwarz-Weiß-Bild: Eine junge Frau wird von mehreren Menschen, teilweise mit Kameras in der Hand, umringt und festgehalten, während sie einen Polizisten im Vordergrund anschreit.
Occupy Wall Street 2011, Anthony Suau
© Anthony Suau

Occupy Wall Street


Der Protest von 2011 richtet sich ausnahmsweise nicht gegen eine Regierung, sondern gegen das Finanzsystem und die Folgen der Finanzkrise. We are the 99 % wird zur zentralen Botschaft – ein Aufschrei gegen die extreme Macht- und Wohlstandskonzentration des obersten einen Prozents. Anthony Suau dokumentiert, wie aus einem lokalen Camp eine globale Debatte über ökonomische Gerechtigkeit entsteht.


Eine von hinten aufgenommene Person steht in den Abendstunden neben einem beschädigten Auto und blickt auf eine große Menschenmenge mit Atatürk-Fahne in der Hand, im Hintergrund dichter Rauch und mehrere Demonstranten.
Gezi Park, Anti-Regierungs-Proteste, Istanbul 2013, Alice Martins
© Alice Martins

Gezi-Proteste in Istanbul


Was 2013 als Widerstand gegen die Bebauung eines Parks in Istanbul beginnt, wird zur größten Protestbewegung der modernen Türkei. Alice Martins begleitet hier vier Frauen, die im Widerstand gegen Repression und Polizeigewalt zu Symbolfiguren des Muts und gesellschaftlichen Aufbruchs werden.


Schwarz-Weiß-Bild: Eine von hinten aufgenommene, große Gruppe von Menschen drängt sich in einem dunklen Tunnel, viele halten ihre Handys hoch und fotografieren, während über die Köpfe ein Banner mit der Aufschrift this is very bad gehalten wird.
This is very bad 2016, Bil Brown
© Bil Brown 

Anti-Trump


Die Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika sorgt in vielen Teilen des Landes für demonstrativen Widerstand. Besonders stark sind die Reaktionen in Oakland und L.A., wo auch die hier gezeigte Aufnahme von Bil Brown entsteht.


Frauen stehen dicht gedrängt auf einer Straße in New York und halten Schilder hoch, darunter ein großes Porträt und ein Plakat mit der Aufschrift The Future Is Female, während sie in dieselbe Richtung blicken.
We The People 2017, John Allen
© John Allen

Women’s March


Am 21. Januar 2017 gehen weltweit Millionen Menschen auf die Straße, um für Frauenrechte und gesellschaftlichen Respekt zu demonstrieren. Der Women’s March, ebenso ausgelöst durch die Amtseinführung Trumps, wird zur größten eintägigen Protestbewegung der US-Geschichte.


Zwei Schwarze Damen in farbenfroher Kleidung und auffälligen Sonnenbrillen stehen nebeneinander mit leicht offenen lächelnden Mündern, während sie an einer Parade im Freien teilnehmen.
June 8, Pride Parade, Washington D.C. 2019, Christopher Edwards
© Christopher Edwards

Pride-Paraden


Seit Jahrzehnten steht die globale Pride-Bewegung für Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der LGBTQIA+-Community. Das Bild von Christopher Edwards erinnert stellvertretend daran, dass die echte Akzeptanz des Andersseins weiterhin keine Selbstverständlichkeit ist.


Mehrere maskierte Personen in Schutzhelmen und Regenkleidung auf einer Straße in Hong Kong spannen eine Steinschleuder hinter einer improvisierten Barrikade.
Demonstrierende schleudern einen Ziegelstein auf die Polizei in Hongkong 2019, Nicole Tung
© Nicole Tung

Hongkong


Im Sommer 2019 kommt es in Hongkong zu anhaltenden Straßen-Demonstrationen. Auslöser ist ein Auslieferungsgesetz, das eine juristische Übergabe von Verdächtigen an China ermöglichen sollte. Die Proteste entwickeln sich zu breiteren Kundgebungen für gesellschaftliche Mitbestimmung.











Das Bild zeigt eine Draufsicht auf eine asphaltierte Straße
Weiter reisen
Eine Leica Zeitreise durch ein Jahrhundert: 2010