1984

Leica M6

M6 wie Ikone

Mit der Leica M6 gelingt auf den Punkt, wofür Leica seither steht: Die Besinnung auf das Wesentliche. So folgt die M6 wieder den minimalistischen Grundsätzen der M-Linie und verfeinert diese mit höchster und für höchste Präzision. Zudem führt sie modernste Elektronik – wie einen integrierten, selektiven Belichtungsmesser – wieder ganz dezent und mechanisch bedienbar.

Der Erfolg, auch der folgenden M6 TTL mit erweitertem Blitzsystem, führt dazu, dass man die M-Produktion wieder nach Wetzlar verlegt. Auch hier heißt es: Zurück zu den Ursprüngen. Von dort aus wird sie für viele Generationen zur ewigen Legende der Street-, Dokumentar- und vor allem Messsucherfotografie. Diesen Status unterstreicht auch die spätere Neuauflage der M6, im Jahr 2022. 

Mann mit rotem Aktenkoffer und Frau mit Einkaufstasche laufen durch einen Sonnenstrahl über eine Straße in New York.
Die M6 auf den Spuren der Ur-Leica – mit Jeff Mermelstein
Mann mit Brille, Oberlippenbart, Schlips und Parka läuft über Straße in New York, hält ein abgegriffenes Buch im Mund, im Hintergrund Passanten, Häuser, Autos und ein New Yorker Taxi.
© Jeff Mermelstein
Ich definiere meine Street Photography über den Prozess selbst. Ich arbeite härter, damit ich nicht nur unser Äußeres zum Vorschein bringen kann, sondern was in uns liegt.
Jeff Mermelstein
Portrait von Jeff Mermelstein

1984 – Eine Dystopie?

Auf das Jahr genau wird George Orwells Klassiker 1984 gesellschaftlich diskutiert. Der Einzug von PCs und die neue Medienlautstärke führen wie im Buch zu mehr Kontrolle und Manipulation des Einzelnen, heißt es. Andere sehen darin den ersehnten Fortschritt, beugen sich individuellen Vorzügen und Unterhaltungswert. Der Ton in der Politik wird gleichzeitig schärfer gegenüber Minderheiten, Unproduktivität und Freisinn, wie bei Orwell. Einziger Gewinner dieser Diskussion bleibt am Ende: Die Macht der Bilder.

Mehrere Damen am Förderband kontrollieren Macintosh Computer und reinigen sie mit Tüchern.
Fertigungsstraße bei Apple Macintosh 1984, Jean-Pierre Laffont
© Jean-Pierre Laffont
Rote Schnur-Telefone und Coca-Cola-Dosen auf einer grauen Fensterbank.
Coca-Cola-Dosen und Telefone zu Präsident Ronald Reagans Staatsbesuch in Lissabon, Portugal 1985, Diana Walker
© Diana Walker
Ronald Reagan, George Bush und weitere ältere Herren halten Sektgläser in der Hand und lachen herzlich.
Präsident Ronald Reagan, CBS News Moderator Walter Cronkite 1981, Diana Walker
© Diana Walker

Diane Walker denkt in diesem spontanen Moment sicher nicht, dass ihr Bild von der lachenden Gruppe um US-Präsident Reagan und Vizepräsident Bush, bei einer Zeremonie im Oval Office, einen solch langlebigen Charakter haben wird. Doch als virales Meme kursiert es heute noch täglich im Netz, sowohl als Symbol für „alte weiße Männer“ in der Politik als auch für die Selbstgefälligkeit von Eliten.

TEST

Tschernobyl

Das lange Echo der Stille

Am 26. April 1986 verändert die Explosion im Reaktorblock 4 von Tschernobyl das Leben mehrerer hunderttausender Menschen für immer. Eine radioaktive Wolke, die weite Teile Europas konterminiert, verwandelt die Umgebung in ein bedrückendes Niemandsland. Marco Cortesi, der mutig die 2.600 km2 Sperrzone durchstreift, hält die monumentale Leere und menschliche Tragödie in stillen, monochromen M Bildern fest, die verstörend aktuell wirken – dabei entstehen sie erst 30 Jahre nach der Katastrophe.

Schwarz-Weiß-Bild von Trümmern und Gondeln eines Riesenrads im verschneiten Tschernobyl.
Kein Leben danach

Der Anfang vom Ende der Apartheid

Seit 1948 spaltet die Rassentrennung Südafrika mit strikten Gesetzen: People of Colour werden in Townships gedrängt, Bildung, Karriere und Wahlrecht versagt. Mitte der 1980er-Jahre beginnt das System zu bröckeln, Proteste und internationale Kritik nehmen zu und Nelson Mandela entwickelt sich zur Schlüsselfigur. In dieser Umbruchszeit erregen symbolische Aufnahmen wie die von David Turnley, der später für seine spannungsgeladene Südafrika-Serie den LOBA erhält, das Weltinteresse.

Eine farbige Südafrikanerin mit rot lackierten Fingernägeln steht nachdenklich am Holzpfosten eines Zaunes und schaut in die Ferne, hinter ihr mehrere, alte und junge Bewohner aus einer Siedlung.
Soweto Südafrika 1994, David Turnley
© David Turnley
Ein Massenprotest von farbigen Südafrikanern auf der Straße, die meisten bewaffnet mit Stöcken und Gewehren schauen in eine Richtung, bereit für die Eskalation.
Johannesburg Südafrika 1994, David Turnley
© David Turnley
Ein älteres weißes Pärchen hält sich die Hände beim Beten am Esstisch, im Hintergrund steht eine farbige Bedienstete und wartet geduldig.
Groot Marico Südafrika 1987, David Turnley
© David Turnley
Ein farbiger Südafrikaner liegt mit abwehrender Handhaltung und wütendem Blick am Straßenrand während zwei weiße Männer mit Gewehren auf ihn zielen.

Soweto Südafrika 1994, David Turnley
© David Turnley
Winnie Mandela mit auffällig elegantem Kopf- und Halsschmuck hinter Türgittern, schaut nachdenklich zur Seite.
Winnie Mandela, Soweto 1986, David Turnley
© David Turnley
Ein junger farbiger Mann mit Hut und brennendem Molotowcocktail schaut mit entschlossener Mine mitten im Protest in die Kamera.
Orange Free State Südafrika 1986, David Turnley
© David Turnley
Erzbischoff Desmond Tutu spricht bei einer Kundgebung energisch zu Massen von farbigen Südafrikanern die an einem sonnigen Tag gebannt lauschen.
Erzbischoff Desmond Tutu, Alexandra, Südafrika 1987, David Turnley
© David Turnley
Schwarz-Weiß-Bild mehrerer farbiger schlafender Männer in einem dunklen, wenig beleuchteten Bus.
21 Uhr, Heimweg: Marabastad-Waterval Bus: Für manche im Bus geht es zwischen 2–3 Uhr wieder los. 1984, David Goldblatt
© David Goldblatt
Nelson Mandela und seine Frau strecken an einem sonnigen Tag kämpferisch eine Faust in die Luft, hinter ihnen eine ganze Gefolgschaft in Anzügen.
Nelson Mandela Freilassung, Paarl, Südafrika 1991, David Turnley
© David Turnley
Schwarz-Weiß-Porträt von Nelson Mandela im Profil der bei einem Besuch seines alten Gefängnisses nachdenklich aus dem Zellenfenster schaut.
Nelson Mandela besucht wieder das Robben Island Prison 1994, David Turnley
© David Turnley / Corbis / VCG via Getty Images
Stilisiertes Portrait von Nelson Mandela
Portrait von David Turnley mit Nelson Mandela in dessen Haus während dessen Ruhestand.
© David Turnley
Ich interessiere mich immer für die Menschlichkeit einer Person und möchte mir das Recht verdienen, diese zu fotografieren.
David Turnley
Weiter reisen
Eine Leica Zeitreise durch ein Jahrhundert: 1984