1980

Inszenierte Utopien vs. gelebte Realität

Die Kontraste werden schärfer

Jahre der gesellschaftlichen, teils polarisierenden Selbstfindung führen in den 80ern zu deutlichen Extremen: Pop vs. Punk. Öko vs. Plastik. Neon vs. Schwarz. Parallel sorgt die steigende kameratechnische Präzision für immer mehr Stil- und Selbstbewusstsein. Die stärker hervortretenden Kontraste in der Gesellschaft lassen so auch das Spektrum der fotografischen Bildsprache weiter auseinander gehen – mit hyper-normalen Alltagsmomenten auf der einen und schrillen Hochglanz-Traumwelten auf der anderen Seite.

Szene in der Pause eines Balls, eine mit Rosenrot akzentuierte Dame mit rot leuchtendem Ohrring rechts, links zwei weitere elegante Personen.
Ball der Alliance Française, New York 1987, Gérard Musy
© Gérard Musy
Skurrile Szene, Mütter in Blumenkleidern mit Regenschirmen und zwei Babies in Tragen mit roten Ballons befinden sich vor einem grauen Wohnhaus in Bewegung.
Boom, Belgien 1988, Harry Gruyaert
© Harry Gruyaert / Magnum Photos
Schwarz-Weiß-Bild mit Blick in das Gewusel einer Cocktail-Party mit Models in eleganten Kleidern.
Le Palace, Paris 1987, Gérard Musy
© Gérard Musy
Eine Dame in Parka und mit Kopftuch steht vor einem großen Fenster mit Vorhängen in grauer Sowjet-Kulisse.
Moskau, Russland 1989, Harry Gruyaert
© Harry Gruyaert / Magnum Photos
Eine braungebrannte Dame im weißen Bikini sitzt in einem Hochstuhl und blickt auf eine Pool-Landschaft mit großen bunten Liegeinseln auf dem Wasser, vor einem großen Hotel.
Caesar's Palace Hotel, Las Vegas, USA 1982, Harry Gruyaert
© Harry Gruyaert / Magnum Photos
Aufnahme mit typischen Autos und Farben der 1980er, in der drei Jungs auf dem Bürgersteig mit einer Parkuhr spielen.
Los Angeles, USA 1982, Harry Gruyaert
© Harry Gruyaert / Magnum Photos
Klick

Echte Zeitkapseln

Harry Gruyaert ist einer der wenigen Fotografen, die zwischen Hochglanz und Normalität wandeln und sogar beides miteinander verschmelzen können. Durch in sich geschlossene Farbkompositionen wirken seine durchweg realen Momentaufnahmen nahezu surreal, alltägliche Motive werden zu Szenen aus einem Kinofilm. Und doch blickt man, dank der typischen Elemente, prägnanten Farben und der einzigartigen Stimmungsdichte, ganz echt und unmittelbar in jene Zeit, in der die Aufnahmen entstanden sind.

Blick durch eine Scheibe auf eine Straße mit fahrenden Autos und Bergen im Hintergrund, in der sich typische Las Vegas Lichter spiegeln.
Freemont Street, Las Vegas, USA 1982, Harry Gruyaert
© Harry Gruyaert / Magnum Photos
Ein von Rotlicht geprägter Blick auf einen gedeckten Restaurant-Tisch vor einem Fenster mit Blick auf ein leuchtendes Schild.
Restaurant, Moskau, Russland 1989, Harry Gruyaert
© Harry Gruyaert / Magnum Photos
Farbintensiver Blick durch Glastüren zwischen zwei Gitterzäunen auf eine menschenleere Straße in Los Angeles mit typisch 1980ern Autos.
Los Angeles, USA 1982, Harry Gruyaert
© Harry Gruyaert / Magnum Photos
Ein Mann steht alleine mitten in einem komplett blau-weiß gefliesten Waschraum und schaut in den Spiegel.
Hotel-Waschraum, Moskau, Russland 1989, Harry Gruyaert
© Harry Gruyaert / Magnum Photos
Blick durch eine Scheibe in ein Eiscafé mit zwei Mitarbeitern, in der sich der pinke Abendhimmel spiegelt.
Eisdiele, Las Vegas, USA 1982, Harry Gruyaert
© Harry Gruyaert / Magnum Photos
TEST

Leica R4

Mit leisen Schritten voraus, in alle Richtungen

Die R4 markiert die Verbindung von Leica Präzisionsoptik mit elektronischer Spiegelreflex-Technologie. Ihre Zeit-, Blenden- und sogar Programmautomatik machen die leichte, kleine und extrem leise SLR zu einer der flexibelsten Kameras ihrer Klasse.

Zur richtigen Zeit am gleichen Ort

Selten erlangen gleichzeitig lebende Künstler so großen Star-Kult wie die New Yorker Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Keith Haring. Ihre eigenen Stile und gemeinsamen Kollaborationen werden weit über Kunstgalerien hinaus gefeiert, sind an Millionen von Wohnzimmerwänden, auf Modeartikeln oder in Magazinen zu finden. Ihre Art, Kunst näher an den Menschen zu bringen, prägt den globalen, visuellen Zeitgeist und schafft neue Brücken zwischen Straßenkunst, Gesellschaftskritik und Fotografie.

Schwarz-Weiß-Bild von Andy Warhol mit Jacke und Rucksack, der vor einem Goethe Gemälde im Museum 
steht und mit gefalteten Händen in die Kamera schaut.
Andy Warhol im Städel Museum 1981, Barbara Klemm
© Barbara Klemm

Andy Warhol


Anders als Haring und Basquiat, ist Warhol in den 80ern bereits lange etabliert. Er wird zu ihrem Vorreiter und Wegbereiter. Abseits konventioneller Galerien sorgt seine Kunstschmiede „Factory“ für Furore und wird zum Zentrum für Andersdenkende. Der „Erfinder der Pop-Art“ lebt so sein Spiel mit der Dekadenz vollends aus und macht es mit Bildern weltberühmt. Sein Umgang mit Fotografie wird dabei zum inspirierenden Stilmittel, auch für Basquiat, und dient gleichzeitig seiner Selbstinszenierung.

Porträt von Andy Warhol mit Anzug und Brille, er schaut in die Kamera und hält mit zwei Händen grünes Cellophanpapier vor sein Gesicht.
Andy Warhol in seiner „Factory“ am Union Square 1981, Thomas Hoepker
© Thomas Hoepker / Magnum Photos
Schwarz-Weiß-Bild von Jean-Michel-Basquait, der stehend nach unten gebückt eine Leinwand auf dem Boden bemalt, im Hintergrund stehen ein Bild und leere Leinwände an der Wand.
Jean-Michel Basquiat malt mit Zigarette, New York 1983, Roland Hagenberg
© Roland Hagenberg

Jean-Michel Basquiat


Basquiat wird oft als tragisches Jahrhunderttalent dargestellt. Mit seinem originellen Stilmix aus Graffiti, Illustration, Foto-Kollage und Typografie macht er sich schnell einen Namen in der Kunstwelt und darüber hinaus. Madonna wird seine Freundin, viele andere Stars werden Bekannte. Die typischen Exzesse der New Yorker Szene holen ihn letztlich zu früh ein. Zumindest findet sein mysteriöses, kritisches und impulsives Schaffen bis heute, oder heute erst recht, universellen Zuspruch.

Schwarz-Weiß-Bild von Jean-Michel Basquiat vor fleckiger Wand, der mit angehobenen Augenbrauen in die Kamera schaut und in der Hand eine Zigarette hält.
Jean-Michel Basquiat raucht, New York 1983, Roland Hagenberg
© Roland Hagenberg
TEST
Gemälde von Jean-Michel Basquiat im Kollagestil, mit Neon-Elementen, Graffiti, Farbe und Typographie.
Ein stilechtes Porträt von Basquiat, der bis heute die Kunstwelt inspiriert 2023, Maseda
Weiter reisen