Auf die lange Zeit des Leidens, des Wahnsinns und Bangens folgt kollektives Durchatmen. Der Krieg ist beendet. Feierliche Bilder gehen rasant um die ganze Welt, nicht wenige bedeutende davon werden mit Leica Kameras aufgenommen. Ein Beweis für die Kraft der modernen Fotografie, die selbst in Form eines deutschen Produkts in den Händen der Kriegsgegner, Menschen und Geschichten verbindet. Zwei besonders symbolträchtige Leica Aufnahmen werden so zu populären Sinnbildern für die globale Erleichterung.

Ein sowjetischer Soldat hisst am 2. Mai 1945 die rote Fahne über dem Berliner Reichstag – obwohl das Bild bewusst für den medialen Siegeszug in der Heimat inszeniert ist, wird es zum globalen Symbol des Triumphs über den Nationalsozialismus. Neben dem bedeutenden Einfluss auf die globale politische Bildsprache, hat die Aufnahme auch eine besondere Bedeutung für den jüdischen Fotografen: Yevgeny Khaldei verarbeitet damit den Verlust seines Vaters und den seiner drei Schwestern durch die Nazis.

Eisenstaedt mischt sich am Tag der Kapitulation Japans unter die Jubelnden am Times Square. Im Augenwinkel bemerkt er einen Matrosen, der „etwas Weißes packt“. Klick. Die Aufnahme der geküssten Krankenschwester schreibt weltweit Geschichte, zuerst als Titelbild von Life – dann als Symbol für die kollektive Erleichterung nach dem Krieg. Es steht fortan für einen Moment des Überschwangs, des Neuanfangs und für die Kraft des Fotojournalismus, Zeitgeschehen in einem Augenblick einzufangen.
Die Leute nehmen mich mit meiner kleinen Kamera nicht allzu ernst. Ich komme nicht als Fotograf. Ich komme als Freund.– Alfred Eisenstaedt© Alfred Eisenstaedt / The LIFE Picture Collection / Shutterstock

Im Dezember 1945, vier Monate nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima, reist Alfred Eisenstaedt in die zerstörte Stadt. Vor deren Trümmern entsteht das eindringliche Portrait einer Mutter mit ihrem Sohn. Wie Eisenstaedts „Der Kuss“ wird auch diese, gegensätzlich düstere Aufnahme zum Symbol: Für die zerstörerische Kraft der Atomwaffen, die verheerenden und langwierigen Folgen des Krieges und das wahre Leid dahinter. Es zeigt aufrichtig den weiten Weg bis zu einem echten Neuanfang.
